Skorpiongift

Skorpionstachel


Skorpiongifte, E scorpion poisons,von Skorpionen gebildete giftige Sekrete, die in einzelnen Fällen auch für Menschen gefährlich sein können. Skorpiongifte sind ein Gemisch aus neurotoxisch wirkenden Polypeptid-Toxinen, den Scorpaminen, die entweder aus weniger als 40 oder aus 60-70 meist basischen und aromatischen Aminosäuren bestehen. Daneben werden proteolytische und hämatolytische Enzyme (Phospholipasen A, Acetylcholin-Esterasen, Ribonucleasen und Hyaluronidasen) und biogene Amine (Serotonin, Tryptamin und Histamin) gefunden, die jedoch nur eine untergeordnete Rolle im Vergiftungsgeschehen spielen. Hauptangriffspunkt dieser Neurotoxine ist der Natriumkanal in erregbaren Membranen. Die α-Toxine der Skorpionarten der alten Welt (Androctonus australis, Leiurus quinquestriatus) bewirken eine Dauererregung des Kanals, der sich nach dem Öffnen nicht wieder schließt ( siehe Zusatzinfo ). Andere Toxine verhindern oder verzögern das Öffnen des Kanals und blockieren damit die Fortleitung der Erregung (β-Toxine der Arten der neuen Welt, z.B. Centruroides sculpturatus). γ-Toxin aus dem Gift des brasilianischen Skorpions Tityus serrulatus verzögert sowohl das Öffnen des Kanals als auch sein Schließen, wenn er bereits geöffnet ist. Andere Gifte, die nur in sehr geringer Konzentration vorkommen, wie das Noxiustoxin (aus dem Gift von Centrurius noxius) und das Charybdotoxin (aus dem Gift von Leiurus quinquestratus) hemmen mit hoher Spezifität Kaliumkanäle. Bei der Vergiftung bewirken vor allem die für den Natriumkanal spezifischen Toxine eine Reihe von sehr komplexen Symptomen, wie die Ausschüttung von Neurotransmittern (u.a. Catecholamine) und damit verbundene Folgeerscheinungen wie Hypertonie, Tachykardie, Lungenödem und Stoffwechselentgleisungen (Hyperglykämie, Hyperkaliämie). – Die meisten Skorpionstiche sind beim Erwachsenen relativ leichter Natur, also lediglich schmerzhaft und nicht lebensbedrohend, und bedürfen keiner Behandlung. Schwere Vergiftungen führen zu einem komplexen Vergiftungsbild mit Abdominalkrämpfen, Kreislaufproblemen, Herzbeschwerden und massivem Lungenödem. In kritischen Fällen sind spezifische Antiseren bei frühzeitiger Anwendung als Gegenmittel erfolgreich. Bei bereits manifesten Kreislaufproblemen und Lungenödem wird eine symptomatische Behandlung mit α-Rezeptoren-Blockern (Prazosin) und Vasodilatatoren (Hydralazin, Nifedipin) empfohlen.


Skorpiongifte


Lqh III, das α-Toxin des Gelben Israelischen Skorpions (Leiurus quinquestriatus hebraeus), wirkt etwa tausendmal stärker auf die Natriumkanäle im peripheren Nervensystem als auf Nervenzellen im Gehirn – eine Eigenschaft, die zur Entwicklung neuartiger Schmerztherapeutika (Schmerz) genutzt werden könnte.


Quelle: Spektrum.de


Erstellt von Adrian Buchser